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Das duale Arbeitsschutzsystem ist das Fundament des Arbeitsschutzes in Deutschland und verfolgt das Ziel, Arbeitsunfälle so weit wie möglich zu vermeiden. Laut der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin kam es im Jahr 2021 dennoch zu 20,6 meldepflichtigen Arbeitsunfällen pro 1.000 Vollzeitbeschäftigten.

Was es mit dem dualen Arbeitsschutzsystem auf sich hat und wie es in der Praxis umgesetzt wird, erfahren Sie hier.

Duales Arbeitsschutzsystem: Das Wichtigste in Kürze

  • Das duale Arbeitsschutzsystem besteht aus dem Staat und den Unfallversicherungsträgern.
  • Weniger Arbeitsunfälle, geringere Kosten und höhere Mitarbeiterzufriedenheit gehören zu den Vorteilen des Systems.
  • Umgesetzt wird das duale Arbeitsschutzsystem durch Gefährdungsbeurteilungen, die Gefahrenabwehr und Schulungen.

Was ist das duale Arbeitsschutzsystem?

Das duale Arbeitsschutzsystem in Deutschland setzt sich aus zwei Säulen zusammen:

  1. dem Staat
  2. den Unfallversicherungsträgern

Den Staat vertreten in der ersten Säule Bund und Länder.

  • Sie erlassen Gesetze, Verordnungen und Regeln, die den grundlegenden Rahmen für den Arbeitsschutz setzen.
  • Staatliche Ausschüsse erarbeiten dabei Vorschriften, die auf die verschiedenen Branchen und Arbeitsbereiche zugeschnitten sind.
  • Die gesetzlichen Vorgaben legen Mindeststandards fest, die alle Arbeitgeber einhalten müssen.

Die zweite Säule des Systems sind die Unfallversicherungsträger, zu denen die Berufsgenossenschaften und Unfallkassen gehören.

  • Sie ergänzen die staatlichen Regelungen durch eigene Unfallverhütungsvorschriften.
  • Für jede Branche legen die Unfallversicherungsträger eigene Vorschriften fest, die zu den Risiken passen.

Was versteht man unter Arbeitsschutz?

Zum Arbeitsschutz zählen alle Maßnahmen, die die Sicherheit und Gesundheit der Mitarbeiter am Arbeitsplatz schützen. Dazu gehört die:

  • Verhinderung von Arbeitsunfällen und gesundheitsbedingten Risiken
  • Gestaltung einer menschenfreundlichen Arbeitsumgebung
  • Minimierung von Gefahren und Optimierung der Arbeitsbedingungen

Der Arbeitsschutz kann umgesetzt werden durch:

  • Die Bereitstellung von Schutzausrüstung
  • Regelmäßige Wartung von Maschinen
  • Schulungen zum Umgang mit Gefahrstoffen

Ein Beispiel für den Arbeitsschutz ist die oben genannte menschenfreundliche Arbeitsumgebung. Um diese Voraussetzung zu erfüllen, ist unter anderem sinnvoll:

  • Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung
  • Ausreichende Beleuchtung
  • Angemessene Raumtemperaturen
  • Effektiver Lärmschutz

Die gesetzliche Regelung des Arbeitsschutzes in Deutschland

In Deutschland bildet das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) die Grundlage für den Arbeitsschutz. Es trat 1996 in Kraft und definiert seitdem die Rahmenbedingungen für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz.

Gemäß § 2 Abs. 1 ArbSchG zielt der Arbeitsschutz auf 3 Hauptaspekte ab:

  1. Prävention von Arbeitsunfällen
  2. Vermeidung von Gesundheitsrisiken
  3. Humane Gestaltung der Arbeitsumgebung

Das Arbeitsschutzgesetz legt Schutzmaßnahmen fest, die das Leben und die Gesundheit der Beschäftigten am Arbeitsplatz sichern sollen. Damit sind Arbeitgeber dazu verpflichtet, für sichere Arbeitsbedingungen zu sorgen und das Gefahrenpotenzial zu senken.

Neben dem Arbeitsschutzgesetz gibt es noch weitere Regelwerke, die den Arbeitsschutz in Deutschland ergänzen, darunter:

Was sind Unfallverhütungsvorschriften?

Unfallverhütungsvorschriften (UVV) ergänzen die staatlichen Gesetze und Verordnungen und sollen zusätzlich zur Sicherheit am Arbeitsplatz beitragen. Die Berufsgenossenschaften erlassen diese Vorschriften. Als Träger der gesetzlichen Unfallversicherung haben sie die entsprechenden Erfahrungen und Kenntnisse in ihren jeweiligen Branchen.

Der Hauptzweck von Unfallverhütungsvorschriften ist die präventive Verhinderung von:

  1. Arbeitsunfällen
  2. Berufskrankheiten

Sie setzen dort an, wo allgemeine gesetzliche Regelungen nicht ausreichen, um branchenspezifische Risiken abzudecken. UVV können zum Beispiel Anweisungen zur Bedienung bestimmter Maschinen, zum Umgang mit gefährlichen Stoffen oder zur Gestaltung von Arbeitsabläufen enthalten.

Schon gewusst?

Laut Statista ist die Anzahl der jährlichen Arbeitsunfälle seit 1992 um rund 57 % gefallen. Im selben Jahr hatte die DGUV noch 1,8 Millionen Unfälle am Arbeitsplatz oder auf dem Weg zur Arbeit vermerkt. 2021 waren es nur noch etwa 804.744.

Vorteile des dualen Arbeitsschutzsystems

Das duale Arbeitsschutzsystem in Deutschland bringt sowohl für Arbeitnehmer als auch für Arbeitgeber Vorteile mit sich.

Weniger Arbeitsunfälle
Ein gut funktionierendes Arbeitsschutzsystem vermeidet Arbeitsunfälle. Das wiederum führt zu:

  • Weniger Verletzungen und gesundheitliche Beeinträchtigungen bei Mitarbeitern
  • Weniger krankheitsbedingte Ausfälle
  • Geringere Kosten für Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall
  • Weniger Produktionsausfälle und Verzögerungen

Höhere Mitarbeiterzufriedenheit
Zufriedene Mitarbeiter sind produktiver, kreativer und loyaler ihrem Arbeitgeber gegenüber. Das führt zu einer Win-win-Situation für alle Beteiligten.

  • Mitarbeiter fühlen sich wertgeschätzt und sicher an ihrem Arbeitsplatz
  • Verbessertes Arbeitsklima
  • Steigerung der Motivation und Leistungsbereitschaft
  • Erhöhung der Mitarbeiterbindung
  • Weniger Mitarbeiter verlassen das Unternehmen

Wer hat im dualen Arbeitsschutzsystem Verantwortlichkeiten?

Verantwortlich im dualen Arbeitsschutzsystem sind der Staat, die Berufsgenossenschaften und die Arbeitgeber.

  1. Der Staat

Die staatlichen Behörden übernehmen folgende Aufgaben:

  • Überwachung der Einhaltung gesetzlicher Arbeitsschutzvorschriften
  • Durchführung von Betriebsinspektionen
  • Verhängung von Sanktionen bei Verstößen

Staatliche Kontrolleure besuchen regelmäßig Betriebe, um die Umsetzung der Arbeitsschutzmaßnahmen zu überprüfen. Bei Mängeln können sie Anordnungen treffen oder im Ernstfall Bußgelder verhängen.

  1. Die Berufsgenossenschaften

Berufsgenossenschaften sind für folgende Bereiche zuständig:

  • Präventive Beratung und Unterstützung für Arbeitgeber
  • Durchführung von Schulungen und Seminaren
  • Unfallverhütung
  • Leistungserbringung bei Arbeitsunfällen

Sie bieten Unternehmen fachliche Hilfe bei der Umsetzung von Arbeitsschutzmaßnahmen und schulen Mitarbeiter in Sicherheitsfragen. Im Falle eines Arbeitsunfalls übernehmen sie die medizinische Versorgung und Rehabilitation.

  1. Die Arbeitgeber

Arbeitgeber tragen die Hauptverantwortung für den Arbeitsschutz im Betrieb. Ihre Aufgaben umfassen:

  • Implementierung von Sicherheitsstandards
  • Bereitstellung sicherer Arbeitsmittel
  • Durchführung von Risikobewertungen
  • Organisation von Mitarbeiterschulungen

Sie sind dafür zuständig, dass alle gesetzlichen Vorgaben und Unfallverhütungsvorschriften im Betrieb umgesetzt werden. Dazu gehört auch, regelmäßig Gefährdungsbeurteilungen durchzuführen und die Beschäftigten über Sicherheitsmaßnahmen zu informieren.

Wie wird das duale Arbeitsschutzsystem praktisch angewendet?

Das duale Arbeitsschutzsystem wird in der Praxis durch die Gefährdungsbeurteilung, die Gefahrenabwehr und Schulungen umgesetzt.

Bei der Gefährdungsbeurteilung werden alle möglichen Gefahren am Arbeitsplatz systematisch ermittelt und bewertet. Dazu werden 7 Schritte befolgt:

  1. Definition von Arbeitsbereich oder Tätigkeit
  2. Gefährdungsanalyse
  3. Bewertung des Gefährdungspotenzials
  4. Festlegung der Schutzmaßnahmen
  5. Umsetzung der Schutzmaßnahmen
  6. Wirkungskontrolle
  7. Dokumentation

Basierend auf den Ergebnissen der Gefährdungsbeurteilung werden Maßnahmen zur Gefahrenabwehr umgesetzt. Ziel ist es, Gefahren möglichst an der Quelle zu beseitigen oder zumindest zu minimieren. Dazu gehören:

  • Technische Maßnahmen (z. B. Schutzvorrichtungen an Maschinen)
  • Organisatorische Maßnahmen (z. B. Arbeitsabläufe neu strukturieren)
  • Persönliche Schutzausrüstung bereitstellen
  • Ergonomische Anpassungen am Arbeitsplatz

Damit der Arbeitsschutz jederzeit aufrechterhalten wird und auch Mitarbeiter selbst aktiv dazu beitragen können, sind auch Schulungen wichtig. Diese können von Arbeitgebern, Berufsgenossenschaften oder externen Experten durchgeführt werden. Sie dienen dazu:

  • Das Bewusstsein der Mitarbeiter für Sicherheitsthemen zu schärfen
  • Ihnen notwendige Kenntnisse und Fähigkeiten zu vermitteln
  • Sie über aktuelle Vorschriften und Schutzmaßnahmen zu informieren
  • Praktische Übungen durchzuführen (z. B. Brandschutzübungen)

Was passiert, wenn der Arbeitsschutz missachtet wird?

Bei einem Verstoß gegen die rechtlichen Vorgaben des Arbeitsschutzes können je nach individuellem Fall Bußgelder zwischen etwa 500 und 5.000 € verhängt werden.

Wenn beispielsweise die Gefährdungsbeurteilung nicht ausreichend durchgeführt wurde, kann eine Strafe von 3.000 € drohen.

Bußgeld

Beispiele für Verstöße

Bis 2.000 €

  • Unzureichende Erste-Hilfe-Mittel oder -Einrichtungen
  • Fehlende oder ungeeignete Brandbekämpfungsmittel
  • Unzureichende Beleuchtung
  • Gesundheitlich unzuträgliche Raumtemperaturen

Bis 3.000 €

  • Nicht gekennzeichneter Gefahrenbereich
  • Fehlender oder unzureichender Toilettenraum/Pausenraum
  • Durchführung von Abbruch- oder Montagearbeiten ohne fachkundige Aufsicht (Baustellen)

Bis 4.000 €

  • Unvollständige Schutzvorrichtungen oder -maßnahmen
  • Ungesicherter Gefahrenbereich
  • Fehlende oder unzureichende Sicherheitskennzeichnung von Fluchtwegen/Notausgängen

Bis 5.000 €

  • Fehlende Unterweisung der Beschäftigten vor Aufnahme der Tätigkeit
  • Nicht richtige, unvollständige oder nicht rechtzeitige Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung
  • Mangelhafte oder ungeeignete Verkehrswege, Fluchtwege und Notausgänge

Duales Arbeitsschutzsystem: Fazit

Letztlich profitieren alle Beteiligten vom dualen Arbeitsschutzsystem: die Arbeitnehmer durch verbesserte Arbeitsbedingungen und die Arbeitgeber durch gesteigerte Produktivität und reduzierte Ausfallzeiten.

Wenn Gefährdungsbeurteilungen, die Gefahrenabwehr und regelmäßige Schulungen richtig ausgeführt werden, ist ein Arbeitsumfeld geschaffen, in dem Mitarbeiter sich sicher fühlen und gesund arbeiten können.

Dazu gehört auch die richtige Berufskleidung. In vielen Fällen muss es genormte Schutzkleidung sein. Mit unserem Service für Berufskleidung können Sie Ihre Mitarbeiter ganz nach Bedarf ausstatten.

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FAQ

Wer ist der Partner des Staates beim Arbeitsschutz?

Die Partner des Staates beim Arbeitsschutz sind die Berufsgenossenschaften und Unfallkassen. Sie bilden zusammen mit dem Staat die 2 Säulen des dualen Arbeitsschutzsystems in Deutschland.

Wer ist der Träger der gesetzlichen Unfallversicherung?

Die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung sind die Berufsgenossenschaften und Unfallkassen. Sie sind für verschiedene Branchen und den öffentlichen Dienst zuständig.

Welche Faktoren sind Gefahrenquellen bei der Bildschirmarbeit?

Bei der Bildschirmarbeit gibt es einige Dinge, die der Gesundheit schaden können. Falsche Sitzhaltung und schlechte Möbel können zu Rückenschmerzen führen. Langes Sitzen ist schlecht für den Körper, und ständiges Starren auf den Bildschirm ermüdet die Augen.

Was ist die EU-OSHA?

Die EU-OSHA (Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz) ist eine dezentrale Agentur der Europäischen Union. Sie hat das Ziel, die Arbeitsplätze in Europa sicherer, gesünder und produktiver zu gestalten.