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Die Sicherheit im Lager ist ein wichtiger Teil der Prävention von Arbeitsunfällen. Laut der DGUV Unfallstatistik wurden 2021 über 83.000 Arbeitsunfälle im Zusammenhang mit Förder-, Transport- und Lagereinrichtungen registriert. Mehr als 34.000 dieser Unfälle stehen in direkter Verbindung mit Materialtransportwagen und Staplern.

Lagerbereiche sind also durchaus gefährliche Arbeitsumgebungen. Hier erfahren Sie, was die Gründe dafür sind und wie sich die Sicherheit im Lager erhöhen lässt.

Sicherheit im Lager: Das Wichtigste in Kürze

  • Gefahrstoffe, Regalsysteme oder Flurförderzeuge gehören unter anderem zu den Risiken im Lager.
  • Das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG), die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) und verschiedene Normen geben den rechtlichen Rahmen vor.
  • Das STOP-Prinzip gibt Anhaltspunkte dazu, wie für die Sicherheit im Lager gesorgt werden kann.

Was bedeutet Sicherheit im Lager?

Die Sicherheit im Lager bezieht sich nicht nur auf den klassischen Unfallschutz, um etwa Stolperfallen zu vermeiden. Dabei müssen mehrere Ebenen beachtet werden:

  1. Schutz vor Gefahrstoffen und gefährlichen Materialien
  2. Vorbeugender Brandschutz
  3. Prävention von Arbeitsunfällen
  4. Schutz vor Diebstahl und unbefugtem Zugriff

Schutz vor Gefahrstoffen und gefährlichen Materialien

Bei Gefahrstoffen können bereits kleine Fehler gravierende Folgen haben, darunter zählen beispielsweise Gesundheitsschäden oder Umweltverschmutzung.
Zum sicheren Umgang mit Gefahrstoffen zählt:

  • Die fachgerechte Lagerung nach Stoffklassen
  • Die Beachtung von chemischen Unverträglichkeiten
  • Eine klare Kennzeichnung aller Gefahrstoffe
  • Spezielle Auffangwannen für auslaufende Flüssigkeiten
  • Die Schulung der Mitarbeiter im Umgang mit Gefahrstoffen

Vorbeugender Brandschutz

Brände in Lagerhallen können sich rasant ausbreiten und enormen Schaden anrichten.
Effektiver Brandschutz umfasst:

  • Strategisch platzierte Feuerlöscheinrichtungen
  • Gut gekennzeichnete und freigehaltene Fluchtwege
  • Regelmäßige Brandschutzübungen mit allen Mitarbeitern
  • Automatische Brandmeldeanlagen mit direkter Alarmweiterleitung
  • Eine feuerhemmende Bauweise und Brandabschnitte

Prävention von Arbeitsunfällen

Der klassische Unfallschutz sollte durchgängig praktiziert werden.
Dazu gehören:

  • Die regelmäßige Prüfung und Wartung von Regalsystemen
  • Klare Verkehrsregeln für Flurförderzeuge und Fußgänger
  • Ausreichende Beleuchtung aller Arbeitsbereiche
  • Eine ergonomische Gestaltung von Arbeitsplätzen
  • Passende Schutzkleidung für das Personal

Schutz vor Diebstahl und unbefugtem Zugriff

Auch vor Diebstahl sollten sich Unternehmen schützen, etwa durch:

  • Elektronische Zugangskontrollsysteme für sensible Bereiche
  • Dokumentierte Warenein- und -ausgangsprozesse
  • Stichprobenartige Kontrollen bei Warenbewegungen
  • Videoüberwachung an kritischen Punkten
  • Sensibilisierung der Mitarbeiter für Sicherheitsthemen

Welche möglichen Gefahren gibt es im Lager?

Im Lager führt die Kombination aus schweren Lasten, beweglichen Transportmitteln, hohen Regalen und beengten Platzverhältnissen zu höherem Gefahrenpotential.

Risiken durch Regalsysteme und Lagereinrichtungen

Regale und Lagereinrichtungen können bei unsachgemäßer Nutzung oder mangelnder Wartung zu Sicherheitsrisiken werden, etwa durch:

  • Einsturzgefahr bei beschädigten oder überlasteten Regalanlagen
  • Herabfallende Waren bei unsachgemäßer Lagerung oder Beschädigung
  • Verletzungsrisiken beim Zugriff auf hochgelegene Lagerfächer
  • Kippende Palettenstapel bei falscher Stapelung oder Überladung
  • Quetschgefahr zwischen Regalelementen, besonders bei Verschieberegalen

Regale sollten daher regelmäßig gemäß DIN 15635 zur Unfallprävention inspiziert werden.

Gefahren im Zusammenhang mit Flurförderzeugen

Besonders unfallträchtig ist der Einsatz von Flurförderzeugen und anderen Transportmitteln. Unfälle können entstehen durch:

  • Kollisionen zwischen Fahrzeugen oder mit Fußgängern
  • Überfahren von Füßen durch Hubwagen oder Stapler
  • Quetschungen beim Rangieren in engen Bereichen
  • Kippunfälle bei Staplern durch falsche Lastaufnahme oder zu schnelles Fahren
  • Absturzgefahr von Lasten bei Transport und Hubvorgängen

Gesundheitsrisiken durch körperliche Belastungen

Selbst, wenn keine Unfälle geschehen, führt die tägliche Arbeit im Lager zu körperlicher Belastung. Die Folgen können sein:

  • Rückenprobleme durch falsches Heben und Tragen schwerer Lasten
  • Kniebelastungen durch häufiges Bücken und Knien
  • Überlastung der Schulter- und Nackenmuskulatur
  • Ermüdungserscheinungen durch monotone Tätigkeiten
  • Langfristige Verschleißerscheinungen an Gelenken und Wirbelsäule

Unfallgefahren durch beschädigte Arbeitsmittel

Oft wird das Risiko durch defekte oder beschädigte Arbeitsmittel unterschätzt. Folgendes gibt es zu beachten:

  • Verletzungsgefahr durch scharfe Kanten an beschädigten Gitterboxen
  • Auslaufende Flüssigkeiten aus undichten Fässern oder Behältern
  • Unfälle durch defekte Leitern oder Tritte
  • Stolperfallen durch beschädigte Bodenbeläge oder Rampen
  • Elektrische Gefährdungen durch defekte Kabel oder Geräte

Gefahrenquellen im Überblick

Hier sehen Sie einen Überblick über die grundlegenden 3 Kategorien von Gefahrenquellen im Lager

Gefahrenkategorie

Typische Gefahrenquellen

Mögliche Folgen

Entzündlich und explosiv

  • Unsachgemäße Lagerung von Lithium-Ionen-Akkus
  • Unzureichend gesicherte Gefahrstoffbereiche
  • Leckagen bei brennbaren Flüssigkeiten
  • Staubablagerungen mit Explosionsgefahr
  • Gasbetriebene Transportfahrzeuge
  • Brände mit Personenschäden
  • Explosionen
  • Ausbreitung toxischer Dämpfe
  • Sachschäden an Gebäuden und Waren

Elektrisch

  • Beschädigte Kabelisolierungen
  • Fehlerhafte Ladestationen für Flurförderzeuge
  • Defekte Beleuchtungsanlagen
  • Ungeprüfte elektrische Betriebsmittel
  • Feuchtigkeit in Elektroinstallationen
  • Stromschläge
  • Elektrische Verbrennungen
  • Kurzschlussbrände
  • Ausfälle wichtiger Systeme

Mechanisch

  • Bewegliche Teile an Fördertechnik
  • Instabile Regalanlagen und Ladungsträger
  • Ungesicherte Hubeinrichtungen
  • Scharfkantige Materialien und Verpackungen
  • Rutschige Böden und Treppen
  • Quetschungen und Schnittverletzungen
  • Stürze aus der Höhe
  • Getroffen werden von herabfallenden Gegenständen
  • Ausrutschen, Stolpern, Stürzen

Wie funktioniert die Gefährdungsbeurteilung im Lager?

Die Gefährdungsbeurteilung ist das Fundament eines wirksamen Arbeitsschutzes im Lager. Gemäß § 5 des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG) ist sie für jeden Arbeitgeber verpflichtend.
Die Gefährdungsbeurteilung lässt sich in den folgenden 5 Schritten zusammenfassen:

1. Im ersten Schritt werden sämtliche Lagerbereiche und Tätigkeiten identifiziert:

  • Regal- und Kommissionierzonen
  • Verkehrswege und Ladebereiche
  • Gefahrstofflager und Sonderbereiche
  • Arbeitsplätze mit besonderen Anforderungen

2. Anschließend erfolgt die gründliche Analyse aller Arbeitsstätten, Einrichtungen und Abläufe auf mögliche Risiken:

  • Begehungen mit fachkundigem Personal
  • Einbeziehung der Erfahrungen der Mitarbeiter
  • Auswertung vorhandener Unfalldaten>
  • Berücksichtigung von Herstellerangaben

3. Die erkannten Gefährdungen werden nach einem standardisierten Maßstab bewertet, wobei 2 Faktoren entscheidend sind:

  • Wie wahrscheinlich ist ein Schadenseintritt?
  • Wie schwerwiegend wären die Folgen?

4. Basierend auf der Risikobewertung werden konkrete Schutzmaßnahmen nach dem STOP-Prinzip abgeleitet und umgesetzt:

  • Substitution gefährlicher Arbeitsmittel
  • Technische Schutzeinrichtungen
  • Organisatorische Regelungen
  • Persönliche Schutzausrüstung

5. Die gesamte Gefährdungsbeurteilung wird nun schriftlich dokumentiert und regelmäßig aktualisiert:

  • Bei Veränderungen der Arbeitsabläufe
  • Nach Einführung neuer Arbeitsmittel
  • Nach Unfällen oder Beinahe-Unfällen
  • Mindestens alle 2 Jahre als Routineüberprüfung

Wie ist die Sicherheit im Lager gesetzlich geregelt?

Die Sicherheit im Lager unterliegt in Deutschland einem rechtlichen Rahmenwerk. Dieses besteht aus verschiedenen Gesetzen, Verordnungen und technischen Regeln, die zusammen einen verbindlichen Handlungsrahmen für Arbeitgeber und Beschäftigte bilden.

Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)

Das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) bildet die grundlegende rechtliche Basis für den Arbeitsschutz in allen Betrieben. Es verpflichtet den Arbeitgeber, die erforderlichen Maßnahmen zu treffen, um die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten bei der Arbeit zu gewährleisten.

Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV)

Konkretisiert werden die allgemeinen Anforderungen durch die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV), die speziell auf die sichere Verwendung von Arbeitsmitteln und den Betrieb überwachungsbedürftiger Anlagen abzielt.

Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV)

Die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) legt die Anforderungen an die Gestaltung von Arbeitsplätzen fest. Für Lagerbereiche sind insbesondere die Vorgaben zu Verkehrswegen, Beleuchtung, Raumklima und Fluchtwegen relevant. Die ArbStättV wird durch die Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR) konkretisiert.

Normen

Neben diesen Gesetzen und Verordnungen gibt es auch verschiedene Normen für spezifische Kontexte. Besonders relevant für den Lagerbereich sind zum Beispiel:

  • DIN EN 15635 (Ortsfeste Regalsysteme aus Stahl, Anwendung und Wartung von Lagereinrichtungen)
  • DGUV Information 208-061 „Lagereinrichtungen und Ladungsträger“ (ersetzt die frühere DGUV-Regel 108-007)

Hinweis!

Auch die entsprechende Arbeits- oder auch Schutzkleidung ist Grundlage für die Sicherheit im Lager. Gemäß § 3 Arbeitsschutzgesetz ist der Arbeitgeber dazu verpflichtet, die Schutzkleidung den Mitarbeitern kostenlos zur Verfügung zu stellen.

Sicherheit im Lager mit dem STOP-Prinzip

Die 4 Buchstaben stehen für Substitution, Technik, Organisation und Personal.

Substitution

An erster Stelle steht immer die Frage, ob die Gefahr vollständig vermieden werden kann. Die Substitution ist am wirksamsten, da sie die Gefahr komplett beseitigt.

  • Manuelle Hubwagen durch elektrische Modelle ersetzen
  • Gefährliche Stoffe durch ungefährlichere Alternativen austauschen
  • Schwere Einzellasten in kleinere Einheiten aufteilen

Technische Maßnahmen
Wenn Substitution nicht möglich ist, kommen technische Schutzmaßnahmen zum Einsatz.

  • Anfahrschutz an Regalen installieren
  • Automatische Sicherheitssysteme einrichten
  • Lastaufnahmemittel und Hebehilfen bereitstellen

Organisatorische Maßnahmen
Als Nächstes folgen organisatorische Maßnahmen.

  • Klare Verkehrsregeln im Lager festlegen
  • Regelmäßige Wartungs- und Prüfpläne einführen
  • Mitarbeiter schulen und unterweisen

Personenbezogene Maßnahmen
Als letzte Stufe kommen personenbezogene Schutzmaßnahmen zum Einsatz. Dazu gehört vor allem die Schutzkleidung. Für die Sicherheit im Lager wird meist die folgende PSA benötigt:

  • Helm
  • Schutzhandschuhe
  • Sicherheitsschuhe>
  • Schutzbrille
  • Gehörschutz
  • Reflektierende Kleidung

Checkliste für Lagersicherheit

  • Regalsysteme regelmäßig prüfen: Führen Sie jährliche Inspektionen durch Fachpersonal und wöchentliche Sichtprüfungen auf Beschädigungen durch.
  • Verkehrswege freihalten: Lagern Sie nichts in Gängen und lassen Sie ausreichend Breite für Flurförderzeuge und Fußgänger.
  • Belastungsgrenzen einhalten: Beachten und kennzeichnen Sie die maximale Tragfähigkeit von Regalen und Böden.
  • Flurförderzeuge regelmäßig warten: Führen Sie eine tägliche Funktionsprüfung und eine dokumentierte Wartung nach Herstellervorgaben durch.
  • Persönliche Schutzausrüstung bereitstellen: Halten Sie Sicherheitsschuhe, Handschuhe und Warnkleidung für alle Mitarbeiter verfügbar.
  • Notfallpläne aktuell halten: Kennzeichnen Sie Fluchtwege, legen Sie Sammelplätze fest und führen Sie regelmäßige Evakuierungsübungen durch.
  • Brandschutzeinrichtungen prüfen: Warten Sie Feuerlöscher, Brandmelder und Sprinkleranlagen regelmäßig, halten Sie den Zugang frei.
  • Mitarbeiter schulen: Führen Sie regelmäßige Unterweisungen zur Arbeitssicherheit und der korrekten Handhabung von Lasten durch.
  • Beleuchtung optimieren: Sorgen Sie für ausreichende Helligkeit in allen Arbeitsbereichen und funktionierende Notbeleuchtung.
  • Ordnung und Sauberkeit gewährleisten: Lassen Sie das Lager regelmäßig reinigen und achten Sie darauf, dass keine Verpackungsmaterialien im Weg herumliegen.

Sicherheit im Lager: Fazit

Die hohen Unfallzahlen im Lagerbereich zeigen: Hier muss mehr für die Sicherheit getan werden. Der beste Weg führt über eine sorgfältige Gefährdungsbeurteilung und die Umsetzung praktischer Schutzmaßnahmen nach dem STOP-Prinzip.

Gesetze und Vorschriften geben zwar den Rahmen vor, doch wirklich sicher wird es erst, wenn alle mitmachen. Lagerleiter sowie zum Beispiel Aushilfsfahrer tragen Verantwortung für die gemeinsame Sicherheit.

Die Investition in Sicherheitsmaßnahmen lohnt sich auf mehreren Ebenen: weniger Unfälle, weniger Ausfallzeiten und zufriedenere Mitarbeiter. Besonders wichtig ist für die Sicherheit im Lager auch entsprechende Arbeitskleidung. Profitieren Sie hierfür von unserem flexiblen Mietservice und unserer Achat-Kollektion.

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FAQ

Welche Sicherheitsbestimmungen im Lager gibt es?

Die wichtigsten Bestimmungen sind das Arbeitsschutzgesetz, die Betriebssicherheitsverordnung und die Arbeitsstättenverordnung. Ergänzt werden diese durch bestimmte Normen.

Welche Sicherheitsmaßnahmen gibt es in einem Lager?

Zu den wichtigsten Maßnahmen zählen regelmäßige Regalinspektionen, ausreichende Beleuchtung, Brandschutzeinrichtungen, persönliche Schutzausrüstung und klare Kennzeichnung von Gefahrenbereichen.

Was ist eine Sicherheitsunterweisung im Lager?

Eine Sicherheitsunterweisung ist eine gesetzlich vorgeschriebene Schulung, die Mitarbeiter über Gefährdungen und Schutzmaßnahmen informiert. Sie muss bei Neueinstellungen und mindestens jährlich durchgeführt werden.