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Lärmrisiken am Arbeitsplatz – ob es sich dabei um das konstante Dröhnen von Maschinen, das Hupen von Gabelstaplern oder das alltägliche Gesprächsgewirr handelt –können sowohl die mentale als auch die physische Gesundheit der Mitarbeitenden beeinflussen.

In unserer modernen Arbeitswelt kann Lärm zu erheblichen Ablenkungen und gesundheitlichen Beschwerden führen. Doch was genau sind Lärmrisiken und wie kann man sie effektiv reduzieren? In diesem Artikel beleuchten wir die Ursachen und Folgen von Lärm am Arbeitsplatz und wie Unternehmen durch gezielte Maßnahmen die Lärmbelastung reduzieren können.

Was ist Lärm?

Die schädlichen Auswirkungen von Lärm auf das Gehör und die allgemeine Gesundheit werden durch zwei Hauptfaktoren bestimmt: die Lautstärke (gemessen in Dezibel, dB) und die Dauer der Exposition. Beide Faktoren interagieren miteinander und können zusammen das Risiko für Gehörschäden und andere gesundheitliche Probleme erhöhen.

1. Lautstärke

Die Lautstärke gibt an, wie kraftvoll ein Schall ist. Ein kurzer, sehr lauter Ton kann sofort zu Hörschäden führen. Zum Beispiel kann ein plötzlicher Lärm von mehr als
120 dB, wie beispielsweise ein Feuerwerksknall aus nächster Nähe, sofort das Innenohr schädigen.

Um einen Eindruck zu bekommen: Ein Gespräch in normaler Lautstärke liegt bei etwa 60 dB und stellt kein Risiko dar. Ein laufender Föhn oder ein Rasenmäher können jedoch Werte von 85-90 dB erreichen, bei denen eine stundenlange Exposition bereits schädlich sein kann.

2. Dauer der Exposition

Nicht nur die Lautstärke, sondern auch die Länge der Zeit, die man dem Lärm ausgesetzt ist, spielt eine wichtige Rolle. Ein mäßig lauter Lärm, der vielleicht nicht sofort als schädlich empfunden wird, kann bei wiederholter oder langanhaltender Exposition schädlich werden. Zum Beispiel kann das ständige Hören von Musik mit Kopfhörern bei hoher Lautstärke über längere Zeiträume das Gehör schädigen, auch wenn die Musik in dem Moment nicht als zu laut empfunden wird.

Die Kombination aus hoher Lautstärke und langer Expositionsdauer erhöht das Risiko für dauerhafte Gehörschäden erheblich. Deshalb wird empfohlen, bei länger andauernden Lärmquellen, selbst wenn sie als mäßig laut empfunden werden, Gehörschutz zu verwenden.

Welche Lärmrisiken am Arbeitsplatz gibt es?

Unter Lärmrisiken versteht man alle potenziellen Lärmquellen, denen die Arbeitskräfte während ihrer Arbeitszeit ausgesetzt sind. Lärmquellen variieren je nach Art des Arbeitsplatzes. Das können Maschinen, Werkzeuge, Verkehr etc. sein. In manchen Branchen, wie dem Baugewerbe oder der Industrieproduktion, sind Lärmrisiken offensichtlicher, doch auch in Büroumgebungen können sie präsent sein. 

Hier sind einige Beispiele für unterschiedliche Arbeitsplätze und die damit verbundenen Lärmquellen:

Lärmrisiken in der Industrie und Produktion

  • Maschinen- und Motorenlärm
  • Schweißgeräusche und andere metallverarbeitende Aktivitäten
  • Kompressoren und Pumpen
  • Förderbänder und automatisierte Produktionslinien
  • Stoß- und Schlaggeräusche, z. B. durch Pressen oder Hämmern

Lärmrisiken im Bauwesen

  • Bohrer und andere Elektrowerkzeuge
  • Schweres Baugerät wie Bagger, Kräne und Betonmischer
  • Hämmern, Sägen und andere manuelle Bauarbeiten
  • Lärm durch Baustellenfahrzeuge

Lärmrisiken in der Landwirtschaft

  • Traktoren und andere landwirtschaftliche Maschinen
  • Tierlaute, z. B. von Kühen, Schweinen oder Hühnern
  • Pumpen für Bewässerungssysteme

Lärmrisiken im Verkehr und Transportwesen

  • Lärm von Straßen-, Schienen- und Luftfahrzeugen
  • Hupen, Motoren und Bremsen
  • Lade- und Entladeaktivitäten

Lärmrisiken in der Gastronomie

  • Küchengeräte wie Mixer, Öfen und Fritteusen
  • Gespräche und Lärm von Gästen
  • Musik oder Fernseher in der Hintergrundbeschallung
  • Klirren von Geschirr und Besteck

Lärmrisiken im Büro

  • Gespräche und Diskussionen
  • Telefonate und klingelnde Telefone
  • Bewegungen durch Laufen, Rücken von Stühlen, Öffnen/Schließen von Türen 
  • Bürogeräte und -maschinen wie Drucker und Kopierer, Computerlüfter und Tastaturklackern, Klimaanlagen und Lüftungssysteme
Flugzeugmechaniker überprüft Flugzeugflügel, trägt Gehörschutz und Warnschutzweste

Gesundheitliche Auswirkungen von Lärmrisiken am Arbeitsplatz

Lärm am Arbeitsplatz ist weit mehr als nur eine lästige Ablenkung. Er kann sowohl kurz- als auch langfristig erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Arbeitnehmende haben.

Kurzfristige Auswirkungen von Lärm am Arbeitsplatz

  • Temporärer Hörverlust: Eine kurzfristige Exposition gegenüber hohen Lärmpegeln kann dazu führen, dass die Ohren „betäubt“ werden, was zu einem vorübergehenden Hörverlust führt. Dieser Zustand kann mehrere Stunden andauern, bis das Gehör sich erholt.
  • Kopfschmerzen: Lärm kann eine direkte Ursache für Spannungskopfschmerzen sein, insbesondere in einer stressigen Arbeitsumgebung.
  • Stress: Lärm trägt zur Freisetzung von Stresshormonen bei, was zu einem erhöhten Blutdruck und anderen stressbedingten Zuständen führt.

Langfristige Auswirkungen von Lärm

  • Irreversible Gehörschäden: Langjährige Exposition gegenüber lauten Geräuschen kann zu einem dauerhaften Hörverlust führen. Die Schädigung der Haarzellen im Innenohr ist dabei irreparabel.
  • Schlafstörungen: Auch wenn die Lärmbelastung während der Arbeitszeit stattfindet, kann sie den Schlaf stören, da der Körper nicht ausreichend entspannen kann.
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Lärm führt zu Stress. Ist dieser chronisch, kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie Bluthochdruck und Herzinfarkt, erhöht werden.

Psychische Auswirkungen von Lärm

  • Angstzustände und Depressionen: Ständiger Lärm kann zu Gefühlen der Überforderung führen, wodurch sich Angstzustände und Depressionen entwickeln können.
  • Reizbarkeit: Eine laute Geräuschkulisse kann zu einer geringeren Toleranzschwelle führen, Mitarbeitende werden schneller gereizt oder wütend.

Auswirkungen auf die Kommunikation und Arbeitssicherheit

  • Gestörte Kommunikation: In einer lauten Umgebung kann das Team sich nur schwer verständigen und miteinander kommunizieren. 
  • Erhöhtes Unfallrisiko: Wenn Warnsignale oder wichtige Anweisungen nicht gehört werden können, steigt das Risiko für Arbeitsunfälle und Verletzungen.

Wie lassen sich Lärmrisiken am Arbeitsplatz effektiv minimieren?

Die Minimierung von Lärm am Arbeitsplatz ist nicht nur für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Mitarbeitenden von entscheidender Bedeutung, sondern auch für die allgemeine Produktivität und Sicherheit am Arbeitsplatz. Hier sind einige bewährte Strategien und Ansätze, um Lärmrisiken am Arbeitsplatz effektiv zu reduzieren:

Persönliche Schutzausrüstung

  • Gehörschutz: In Bereichen, in denen hohe Lärmpegel unvermeidbar sind, sollten Gehörschutzmittel wie Ohrstöpsel oder Kapselgehörschützer zur Verfügung gestellt und deren Gebrauch konsequent durchgesetzt werden.

Technische Maßnahmen

  • Lärmmindernde Maschinen und Geräte: Wo immer möglich, sollten Unternehmen in Technologien investieren, die von vornherein leiser sind. Moderne Maschinen sind oft so konzipiert, dass sie weniger Lärm verursachen als ältere Modelle.
  • Schalldämmung: Türen, Wände und Fenster können mit schalldämmenden Materialien ausgestattet werden, um den Lärm von außen oder von anderen Arbeitsbereichen abzuhalten.
  • Absorbierende Materialien: Die Verwendung von absorbierenden Materialien wie Teppichen, Vorhängen und speziellen Wandpaneelen kann den Schall im Raum reduzieren, genauso gibt es Schallschutzmatten bzw. Antirutschmatten dafür.

Organisatorische Maßnahmen

  • Räumliche Trennung: Lärmintensive Tätigkeiten sollten, wenn möglich, in separaten Bereichen oder Räumen durchgeführt werden, fern von ruhigen Arbeitsplätzen.
  • Regelmäßige Pausen: Bei Tätigkeiten mit einem konstanten Lärmpegel sollten regelmäßige Pausen eingeplant werden, um das Gehör zu entlasten.
  • Lärmmessungen: Es ist entscheidend, regelmäßige Lärmmessungen durchzuführen, um potenzielle Risikobereiche zu identifizieren und die Effektivität von Lärmschutzmaßnahmen zu überprüfen.

Gesetzliche Richtlinien

Um Arbeitnehmende vor den gesundheitlichen Risiken von Lärm zu schützen, gibt es spezifische gesetzliche Regelungen: die Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung sowie die Richtlinie 2003/10/CE. Diese Richtlinien sind darauf ausgelegt, das Wohlbefinden und die Sicherheit der Arbeitskräfte zu gewährleisten und die Auswirkungen von Lärm und Vibrationen am Arbeitsplatz zu minimieren. 

Die deutsche Lärm- und Vibrations-Arbeitschutzverordnung (LärmVibrationsArbSchV)

Die Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung (LärmVibrationsArbSchV) nimmt einen entscheidenden Platz im deutschen Arbeitsschutz ein. Eingeführt, um Arbeitnehmende vor den potenziellen gesundheitlichen Auswirkungen von Lärmrisiken am Arbeitsplatz zu bewahren, bietet sie klare Richtlinien und Standards.

Gemäß dieser Verordnung werden bestimmte Expositionsgrenzwerte für Lärm und Vibrationen definiert, die keinesfalls überschritten werden sollten. Bei Lärm wird beispielsweise empfohlen, einen Schwellenwert von 80 Dezibel (dB) nicht zu übertreffen.

Ein zentrales Anliegen der LärmVibrationsArbSchV ist die Verpflichtung des Arbeitgebenden, eine Risikobewertung zu implementieren. Diese Bewertung soll garantieren, dass Risiken durch Lärm und Vibrationen rechtzeitig erkannt und entsprechende Schutzvorkehrungen getroffen werden. Hierzu zählt auch das Zurverfügungstellen individueller Schutzausrüstung, einschließlich Gehörschutz.

EU-Richtlinie 2003/10/CE

Die EU-Richtlinie 2003/10/CE stellt eine wichtige Ergänzung zur nationalen Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung dar. Sie wurde mit dem Ziel ins Leben gerufen, einheitliche Standards zum Schutz von Arbeitnehmenden vor den Risiken durch Lärm am Arbeitsplatz in der gesamten Europäischen Union zu etablieren. Dabei legt die Richtlinie folgende Richtlinien fest:

Bei einer Lautstärke von 80 dB(A):

  • Anbieten von Ohrenschützern
  • Bildung über Gefahren durch Lärm
  • Kontrolle des Hörvermögens

Bei Werten von 85 dB(A):

  • Einführung eines Lärmminderungsplans
  • Verpflichtung, Ohrenschützer zu tragen
  • Notwendige Hörtests

Wenn 87 dB(A) erreicht werden:

  • sofortige Senkung der Lärmexposition
  • Begrenzen der Dauer der Exposition
Frau steckt sich Ohrstöpsel ins linke Ohr

Fazit

Lärmrisiken am Arbeitsplatz beeinflussen sowohl die mentale als auch physische Gesundheit von Arbeitnehmenden. Sie können durch vielfältige Quellen entstehen – sei es aus Industriemaschinen, dem Bauwesen oder sogar in Büroumgebungen. Diese Lärmrisiken können kurz- und langfristige gesundheitliche Auswirkungen haben, von temporärem Hörverlust bis hin zu chronischen Krankheiten und psychischen Belastungen. 

Zur Reduzierung dieser Risiken ist eine Kombination aus technischen, organisatorischen und persönlichen Schutzmaßnahmen essentiell. Die Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung sowie die EU-Richtlinie 2003/10/CE stellen zudem rechtliche Rahmenbedingungen und Richtlinien bereit, um die Sicherheit und Gesundheit der Arbeitnehmenden zu gewährleisten. Es ist im Interesse von Unternehmen, eine proaktive Herangehensweise zur Lärmreduktion zu adoptieren und so eine gesündere Arbeitsumgebung zu schaffen.

FAQ

Welcher Lärmpegel gilt als schädlich für das Gehör?

Ein Lärmpegel über 80 dB kann bei längerer Exposition schädlich für das Gehör sein.

Wie kann ich feststellen, ob der Arbeitsplatz zu laut ist?

Es gibt spezielle Geräte, sogenannte Schallpegelmesser, mit denen man den Lärmpegel messen kann.

Warum ist die Lärmbekämpfung am Arbeitsplatz wichtig?

Die Lärmbekämpfung am Arbeitsplatz ist essentiell, um dauerhaften Hörverlust, Stress und Konzentrationsprobleme bei den Arbeitskräften zu verhindern. Ein hoher Lärmpegel beeinträchtigt die Arbeitsqualität, erschwert die Kommunikation und mindert die Mitarbeiterzufriedenheit. Zudem können durch effektive Lärmbekämpfung krankheitsbedingte Ausfälle reduziert und somit Kosten gesenkt werden.